Kenn ich nicht, mag ich nicht – deshalb mag niemand Veganer

Beitragsbild: Annie im Schnee, Gesicht im Schal

Ich hatte es in einem meiner Beiträge ja schon mal kurz angeschnitten: In meinem Umfeld ist es keine Seltenheit, dass sich Menschen alleine durch meine Anwesenheit angegriffen oder teilweise sogar beleidigt fühlen. Seitdem ich auf Fleisch und sämtliche tierische Produkte (weitestgehend) in meinem Leben verzichte, bin ich anscheinend das Abbild des eigenen schlechten Gewissens.

Woher kommt diese große Abneigung gegen Veganer und Vegetarier?

Ich kann in diesem Artikel natürlich nur über mich und meine Erfahrungen berichten. Ich weiß: es gibt ein paar schwarze Schafe unter den Vegetariern und Veganern, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, jeden Einzelnen, der nicht wie sie denkt, mit erhobenem Zeigefinger zu missionieren. Ich würde von mir behaupten, dass das bei mir nicht der Fall ist. Immer, wenn ich das Gefühl habe, jemand will mit mir die „klassische“ Veganerdiskussion anfangen, frage ich vorher behutsam:

Willst du das wirklich? Willst du wirklich mit mir über dieses Thema sprechen? Das können wir gerne tun, aber dann sag am Ende bitte nicht, dass ich dich bekehren will.

Das schreckt viele ab. Die Mutigen unter ihnen, die es trotzdem wagen, merken schnell: „Meine Argumente haben wenig Hand und Fuß“.

Annie im Schnee, frontal

Der Weltverbesserer, der Öko – der der nie still sein kann…

Zugegeben, am Anfang war ich oft verleitet, meinen Mitmenschen die Augen öffnen zu wollen. Es widerte mich an, wenn Menschen aus Naivität und reiner Unwissenheit die Ausbeutung und den Tod von Tieren, aber auch der Bevölkerung, akzeptierten und hinnahmen. Mit meiner sturen Art gewann ich aber nur eins: Verschlossene Augen und Ohren. Dabei wollte ich doch nur helfen! Irgendwann lernte ich, dass ich Verständnis aufbringen muss. Ich habe meine Erkenntnisse nicht über Nacht gewonnen. Es war ein Prozess, der sich über Jahre erstreckte. Ich kann nicht erwarten, das jemand, der sich mit der ganzen Thematik noch nie beschäftigt hat, im Laufe eines Gespräches sein komplettes Weltbild aufgibt und verändert. Da hilft kein Argument, keine Statistik, kein Wachrütteln. Der Grundgedanke ist so schön, doch leider entspricht er nicht der Realität. Sonst wären vielmehr Menschen vegetarisch oder vegan. Die Bilder von den Schweinen in viel zu engen Ställen mit offenen blutigen Wunden – jeder kennt sie, aber niemand will sie wahr haben! Man versteckt sich… vor der Wahrheit.

Annie auf einer Bank am zugefrorenen See

„Ich esse auch nicht so viel Fleisch.“

Standardsatz der Omnivoren („Allesfresser“). Dabei interessiert es mich reichlich wenig, wie viel Fleisch du isst, von welchem Bio-Bauern du deine Eier und deine Milch beziehst. Ich wollte eigentlich nur hier sitzen und etwas essen. Ein automatischer Verteidigungsmechanismus. Ach herrje! Iss doch bitte einfach was immer du möchtest. Klar, für mich ist die vegane Philosophie die beste Lebensweise, die ich mir für mich vorstellen kann. Wäre ich glücklich, wenn sich mehr Menschen vegan ernähren würden? Definitiv! Aber nicht, weil ich das sage, oder weil ich das möchte. Sondern, weil sie aus ihrer eigenen Kraft und dank ihres eigenen Willens sich für diesen Weg entschieden haben! Auch wenn es mir schwer fällt: Ich toleriere es. Aber akzeptieren werde ich es nie!

Ich will kein Streit, keine Diskussion, keine Vorwürfe. Du musst dich nicht darüber aufregen, weil es seit Kurzem vegane Wurst in deinem Supermarkt gibt und die Obstsäfte plötzlich als vegan deklariert werden. Und ich rege mich nicht darüber auf, wenn du deine Bratwurst direkt neben mir isst. Klingt doch nach einem Deal, oder?

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