Meine Erfahrungen im Praxissemester

Annie an der Hausfassade

Ich studiere Multimedia Marketing und meine Hochschule setzt ein 15 wöchiges Pflichtpraktikum im 5. Semester fest. Ich habe mich seit dem ersten Semester darauf gefreut: Endlich praktisch arbeiten! Yeih! Stupides Auswendiglernen lag mir noch nie sonderlich gut. Ich wollte mein erlerntes Wissen endlich mit der Praxis vereinen. So die Theorie. Die Realität sah dann doch ein wenig anders aus. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich dieses Thema überhaupt ansprechen will, weil ich niemanden gegen den Kopf stoßen möchte. Da es aber nicht nur mir, sondern auch vielen Freunden und Kommilitonen ähnlich geht, möchte ich heute gerne darüber sprechen.

Die unendliche Suche nach einem Praktikumsplatz

Und gleich am Anfang: Das habe ich komplett unterschätzt. Ich bin zarte 21 Jahre und denke ich habe für mein Alter einen sehr guten Lebenslauf: keine Lücken, viel gearbeitet, ehrenamtliches Engagement. Dass es nicht einfach wird, stand für mich außer Frage, aber damit habe ich nicht gerechnet: Monatelange Recherche, Mails, Gespräche, Enttäuschungen.

Und warum?

Ich habe zu wenig Praxiserfahrung. Mir fehlt das Know-How. Okaaaaay? Ja, das stimmt. Aber ist ein Praxissemester nicht genau dafür da? Praktisch zu lernen? Oder habe ich da was falsch verstanden? Der Name des Semesters ist ja auch nicht gerade aufschlussreich, was das angeht.

Erleichterung

Irgendwann hatte ich dann doch Erfolg, oder sagen wir mal lieber: Glück. Ich hatte ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch und einen Platz – in meiner liebsten Stadt: Münster. Für mich hieß es also Koffer packen. Ich war so nervös und meine Vorfreude steigerte sich ins Unermessliche. Endlich arbeiten und sich selbst unter Beweis stellen. Mich erwartete ein kleines und innovatives Unternehmen mit jungen sympathischen Köpfen.

Ernüchterung

Meine ersten Wochen waren relativ gleich aufgebaut: 3-4 Aufgaben, viel Langeweile, gestresste Mitarbeiter, keine konkreten Ein- und Anweisungen, kein Feedback. Die Augenblicke, sich Zeit für mich zu nehmen, kamen auch viel zu kurz. Und auch Freunde und Kommilitonen haben mir von ähnlichen Erfahrungen berichtet: keiner interessiert sich für Dich; angespannte Stimmung, Streitereien. Schlechte Bezahlung oder teilweise sogar unvergütet. Du erledigst Aufgaben, die gerade noch offen rumliegen, aber fast schon unter dem Teppich verschwunden wären, wirst dann damit aber alleine gelassen, weil Mitarbeiter schlichtweg keine Zeit haben, Dich richtig einzuarbeiten. Hinter dem großen Wort Eigenverantwortung verstecken Unternehmen Ihre eigenen Fehler. Ich habe kein Problem mit selbstständigem Arbeiten – absolut nicht! Aber ich wüsste dann doch schon gerne, ob die Aufgaben, die ich mir gesucht habe, Sinn für das Unternehmen ergeben (Stichwort: Feedback) oder ob ich meine Zeit lieber anderweitig investieren sollte.

Willkommen in der Arbeitswelt?

Nein, so nicht. Ich habe das Glück, Vergleiche ziehen zu können. Sicher: Arbeiten ist anstrengend, manchmal frustrierend und auch nicht immer einfach. Aber man sollte Spaß an seiner Arbeit haben, denn dann arbeitet man effektiv und effizient. Liebe Arbeitgeber, wieso wollt Ihr das nicht verstehen?

In der Hochschule habe ich das Modul Unternehmensführung belegt. Wir haben uns mehrere Vorlesungen mit Mitarbeiterzufriedenheit beschäftigt, weil es so verdammt wichtig ist! Glückliche Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg. Zufriedene Mitarbeiter nehmen gerne die ein oder andere Überstunde in Kauf.   

Und wenn Ihr keine Zeit oder Aufgaben für Praktikanten habt, wieso schreibt Ihr dann Stellen aus?

Bist Du gerade auf der Suche?

Lass Dich von mir nicht verunsichern! Nimm Dir genug Zeit für Gespräche mit Deinen potenziellen Arbeitgebern. Nimm die Chance wahr nachzufragen! Das lässt Dich nicht nur interessierter wirken, sondern gibt Dir auch die Möglichkeit, Deinen Gegenüber besser kennenzulernen.

Kommunikation als Schlüssel

Und da muss ich mir selbst einen Fehler eingestehen. Ich habe nicht direkt das Gespräch gesucht, sondern tatsächlich erst, als es zu spät war. Seid schlauer als ich und redet mit Euren Kollegen und Eurem Vorgesetzten. Die meisten Unternehmen freuen sich, wenn Ihr bereit seid, mehr Verantwortung zu übernehmen. Mach Dir vorab Stichpunkte, in welchen Bereichen Du Optimierungsbedarf siehst und wie Du das Ganze anpacken würdest. Frischer Wind, direkt aus den Hochschulen und Universitäten – das sollte der Grundgedanke eines Praktikums sein.

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