Vegan im Krankenhaus

Titelbild für den Krankenhausbeitrag

Auch wenn sicherlich jeder auf diese Erfahrung verzichten könnte: Meistens kommt irgendwann doch der Moment, an dem man ein paar Tage (wenn man Glück hat nicht allzu lange) im Krankenhaus verbringen muss. Ich musste dieses Jahr meine Tasche packen und einige Tage im Krankenhaus bleiben. Mein erstes Mal in einer Klinik und dann noch als Veganerin.

Mein erstes Mal im Krankenhaus

Und zack: Gleich eine negative Erfahrung. Ich hatte wundervolles Pflegepersonal, aber unfassbar unhöfliche Ärzte, die meine Probleme herunterspielten und dann auch noch meinten, meine Beschwerden würden von meiner veganen Lebensweise kommen. Ich war entsetzt über diesen unprofessionellen Umgang mit meiner Ernährungsform. Selbst nach meiner Diagnose (nach 3 Tagen ewigem Herumliegen auf meinem Zimmer) hat es niemand für angebracht gehalten, sich bei mir dafür zu entschuldigen.
Frühstück: nicht vegan

Was gab es zu Essen?

Mir war natürlich klar, dass ich keine große Auswahl habe, was mein Essen angeht. Damit habe ich auch prinzipiell kein Problem. Immerhin gilt in meiner Gegend Veganismus immer noch als enorm exotisch. Bei meiner Einlieferung habe ich gleich mehrmals erwähnt, dass ich keinerlei tierische Produkte esse. Am nächsten Morgen wurde ich mit Frühstück am Bett begrüßt. Mit Frischkäse, Wurst und einem Jogurt. Meine Zimmernachbarin konnte sich über mehr Essen freuen, ich über einen leeren Magen. Ich habe bei der Visite erneut erwähnt, dass ich leider eine kleine Extrawurst brauche. Daraufhin passierte erstmal nichts. Mittagessen fiel für mich flach.

kurz vor der Operation

Tipp: Lasst Euch was von Eurer Familie vorbei bringen

Ich hatte das große Glück, dass das Krankenhaus direkt um die Ecke von meinem Freund war. Er konnte mir zum Mittag also ein paar Nudeln vorbeibringen. Meine Eltern brachten mir ein großes Carepaket mit Brot, Aufstrichen und Keksen. Damit war ich gut versorgt. Meinen Ärzten gefiel das überhaupt nicht:

Bei Bauchschmerzen sollten die Patienten auch nur das Essen zu sich nehmen, was wir ihnen geben.

Ja, verstehe ich. Aber ich sollte am Abend, an dem ich eingeliefert wurde, nichts essen und sowohl Frühstück wie Mittag fielen für mich aus. Entschuldigung, aber ich hatte dann langsam doch etwas Hunger.
Abendbrot im Krankenhaus

Essen für mich

Anscheinend wurde meine Bitte dann doch an die richtige Person weitergeleitet, denn mein Abendbrot konnte ich dann wie alle Patienten im Krankenhaus genießen. Für mich gab es Gurke, Banane, zwei Brote mit einem veganem Aufstrich und einer Margarine.

Auch am nächsten Morgen hatte ich einen Grund zur Freude, denn dieses Mal wurde auf Frischkäse und Wurst auf meinem Tablett verzichtet. Stattdessen gab es zwei Brote mit Marmelade und Margarine, einen Früchtetee und einem Obstsalat.Möhren und Kartoffeln mit Petersilie

Am Mittag durfte ich kräftig zuschlagen. Es gab Kartoffeln mit Möhren und darüber frische Petersilie. Tatsächlich auch ziemlich lecker! Vielleicht weiß es der ein oder andere unter Euch ja schon: Kartoffeln und Petersilie sind meine absoluten Lieblinge! Ich gebe gefühlt über alles frische Petersilie.

Mein Abendbrot war ähnlich wie das am Tag zuvor: Zwei Scheibenbrot mit pflanzlichem Aufstrich, Margarine und Tomaten.

Abschied auf Zeit

Am nächsten Morgen durfte ich nach dem Frühstück das Krankenhaus wieder verlassen. Leider nicht allzu lange, denn ich wurde 3 Wochen später operiert. Für mich stand jetzt die Frage im Raum, ob ich mich in diesem Krankenhaus operieren lassen möchte oder nicht. Da ich mich nicht sehr gut aufgehoben gefühlt habe in dieser Klinik, habe ich mich entschieden, mich in einem Krankenhaus 20 Kilometer entfernt operieren zu lassen.

Mein zweites Mal Krankenhaus

Brokkoli, Kartoffeln und Suppe zum MittagAlso ging es 3 Wochen später in die nächste Klinik. 6 Uhr morgens sollte ich da sein – absolut nicht meine Zeit! Auch hier erwähnte ich schon bei der Anmeldung, dass ich Veganerin bin und deshalb auf sämtliche tierische Produkte verzichte. Am Tag meiner Operation durfte ich nichts mehr zu mir nehmen. Eine Nacht später war ich bereit für ein bisschen Frühstück. Die Schwester brachte mir eine Suppe mit Eier- und Fleischeinlagen. Als sie mein enttäuschtes Gesicht sah, meinte sie:

Oh nein, du bist bestimmt die Patientin, die sich rein pflanzlich ernährt? Ich bringe Dir gleich ein bisschen Gemüsebrühe und gebe in der Küche unten Bescheid. Dann bekommst du in einer Stunde nochmal ein kleines Frühstück.Nudeln und Möhren zum Mittag

10 Minuten später kam sie mit zwei vollen Tassen Gemüsebrühe wieder. Mein versprochenes zweites Frühstück fand seinen Weg an mein Bett. Und auch meine restlichen Mahlzeiten waren vegan. Die Küche hat mich sogar nochmal angerufen, um nachzufragen, was ich mir denn wünsche, da sie nicht viel Erfahrung mit veganer Ernährung haben. Ich war überrascht und unfassbar glücklich! Ein grandioser Service mit dem ich nicht gerechnet habe!

Kleines Fazit

Ich bin für beide Erfahrungen dankbar. Für viele Mitarbeiter im Krankenhaus war das Thema Veganismus komplettes Neuland. Wenn Ihr Euch in einer ähnlichen Situation wiederfinden solltet, dann hier ein paar kleine Tipps:

  • stellt Euch darauf ein, dass es am ersten Tag schwer wird mit Essen für Euch
  • lasst Euch etwas vorbeibringen von Euren Eltern oder Freunden
  • zur Not könnt Ihr Euch auch beim Lieferdienst etwas bestellen und vor der Tür in Empfang nehmen
  • im Schwesternzimmer gibt es meistens auch Mikrowellen
  • packt Euch einen pflanzlichen Aufstrich ein, damit könnt Ihr auf Nummer sicher gehen
  • bringt Geduld mit

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